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Forster, Ulrich [uforster] - 14. Aug 2014, 15:59

Hohenheimer Lernorte gewinnen Wettbewerb

Im Rahmen des 13. eGovernment Wettbewerbs wurden die "Hohenheimer Lernorte" mit dem 1. Platz in der Kategorie "eEducation" ausgezeichnet. Das Projekt der Mobilen Lehre konnte sich in der Finalrunde erfolgreich gegen Projekte des Hasso-Plattner-Instituts und der TU Braunschweig durchsetzen.
 
Hohenheimer Lernorte – was ist das?
Die Hohenheimer Lernorte verknüpfen digitale Informationen wie Bilder, Videos, Tests und Kommentare mit realen Orten. Hinter den Lernorten stehen die Lernplattform ILIAS und die Hohenheimer App.
Zentrale Ansichten der Hohenheimer Lernorte in der App
Über ILIAS werden die Lehrmaterialien über das Lernobjekt Lernort (Plugin) zur Verfügung gestellt und der reale Lernort über GPS-Koordinaten zugewiesen. Mit mobilen Endgeräten wie Smartphones oder Tablets können die Materialien anschließend am realen Lernort in einem Umkreis von 150 Metern aufgerufen, ergänzt oder kommentiert werden.
Zentrale Lernortansicht auf der Hohenheimer ILIAS (Lernobjekt Lernort)
Didaktik der Lernorte
Die Lernorte sind aus einer Denkrichtung entstanden, die dem gemäßigten Konstruktivismus und der situierten Kognition zuzuordnen ist. Demnach ist Lernen ein aktiver, sozialer, konstruktiver, selbstgesteuerter und situativer Prozess. Der Kontext in welchem gelernt wird, ist maßgebend für die Übertragung von Wissen auf Anwendungssituationen. Die Lernumgebung soll daher so realitätsnah wie möglich gestaltet sein. Gerade hier bieten sich reale Lernorte an. Mit Hilfe der App können Lernorte von den LernerInnen gefunden werden und zur Wissensentwicklung und mit hinterlegten Aufgaben und Materialien zum Lernen genutzt werden. Vor Ort ist es möglich weitere Informationen zu nutzen, zu sammeln, Fragen zu beantworten, Handlungen auszuführen und eigene Analysen zu betreiben. Auch denkbar sind Szenarien in denen nicht der Dozent die Lernorte vorgibt, sondern Lernorte von LernerInnen über die App selbst angelegt und mit Wissen angereichert werden. Aus diesen Überlegungen heraus, wurden Vorlesungs- und Kursszenarien entwickelt. Drei werden im Folgenden kurz vorgestellt.
 
Beispiel Biologie der Rebe
Im Weinberg der Universität untersuchten Studierende (N=55) die Blütenstadien der Rebstöcke. Ihre Aufgabe war es, die Rebenentwicklung der jeweiligen Sorten zu analysieren. Von April bis Juli besuchten sie bis zu zweimal pro Woche die Reben, bewerteten die Rebenentwicklung von der Blüte bis zur Traube, fotografierten und schickten Bildmaterial und Ergebnisse via Smartphone an den dazugehörigen Online-Kurs der Lernplattform. Bei Unklarheiten konnten Fragen direkt an den Dozenten oder über ein Forum des Kurses an alle Mitstudierenden geschickt werden. Die gesammelten GPS-Daten konnten für weitere Analysen verwendet werden.
 
Beispiel Organische Biologie
Für den Kurs wurden zehn Lernorte auf dem Campus markiert. Indem sich die Studierenden (N=213) über die Navi-Funktion von Ort zu Ort führen ließen, hatten sie die Möglichkeit den Lernstoff aus der Vorlesung praktisch zu vertiefen. Am Lernort angekommen gibt die App Hintergrundwissen über den jeweiligen Lebensraum und die Tierarten vor Ort preis – darunter auch Tonbeispiele, durch die sich auch bestimmte Vogelarten anlocken lassen. Auch hier konnten Studierende die Hintergrundinfos durch eigene Beobachtungen ergänzen, Fragen stellen oder mit Kommilitonen diskutieren. Und das bei völlig freier Zeiteinteilung.
 
Beispiel Marketing
In der Einführungsveranstaltung zum Marketing sollten die Studierenden (N=856) nach Beispielen für bestimmte Formen von Werbung suchen, welche ihnen im Alltag begegnet. Diese fanden sie auf dem Weg nach Hause, zum Sport oder zur Uni. Die jeweiligen Beispiele wurden von den Studierenden fotografiert, kommentiert und über die App in einer Karte als Lernort markiert. Die Ergebnisse analysierten und diskutierten der Dozent und die Studierenden gemeinsam im Hörsaal. So zum Beispiel das Foto und die geografische Lage eines Aktionsplakates an einer Tankstelle: Jeder, der bei dieser Tankstelle tankt, erhält einen Rabatt-Coupon für die Restaurants einer Fastfood-Kette. Die wiederum belohnt jede Mahlzeit mit einem Tankgutschein. Die Aktion der Tank- und Fastfood-Ketten ist ein gutes Beispiel für Kooperationsstrategien im Marketing (Hohenheimer Online-Kurier, 2014). Die Aufgaben wurden durch einen Wettbewerb über das Live-Voting-System der Lernplattform ILIAS für Smartphones ergänzt. Die Studierenden haben damit in den Vorlesungen die zehn besten Beiträge gekürt. Die Gewinner bekamen Punkte für die Klausur gutgeschrieben.

Idealerweise wird durch den Einsatz der Lernorte Wissen realitätsnah sowie flexibel vermittelt. Die Inhalte werden aus den universitären Räumlichkeiten geholt und in einen direkten Zusammenhang mit dem bereits Gelernten gebracht. Der Nutzen der Anwendung von Lernorten als ergänzendes Vorlesungs- oder Kurselement hat sich in einer dreijährigen Pilotphase bestätigt. Beispielsweise haben sich die Notendurchschnitte der Lehrveranstaltungen signifikant verbessert.
 
Aus den Erfahrungen der Pilotprojekte, die mit Nutzerberfragungen einhergingen, ergeben sich Empfehlungen für die Konstruktion von echten Lernortaufgaben.
 
Die ideale Lernortaufgabe
  • hat Relevanz für die LernerInnen und bietet Mehrwert gegenüber reiner Information,
  • knüpft an Erfahrungen und Wissen der Lerner an,
  • ist erreichbar (lokal),
  • bietet Feedback- und Artikulationsschleifen,
  • hat ein realistisches und authentisches Lernziel,
  • ist in den Kontext der Umgebung eingebettet,
  • ist viabel (vgl. Wikipedia) es muss eine lernzielorientierte Handlung aus- bzw. eingeübt werden
  • und entwickelt kognitive Fähigkeiten höherer Ordnung.
 
Weiterentwicklung
Die nächsten Schritte sind eine breite Verfügbarmachung der Lernorte für die ILIAS Community, die Entwicklung neuer Vorlesungselemente in Hohenheim sowie die Entwicklung von weiteren Features der Lernorte und deren Anwendungen in Innenräumen.
Lernort anlegen (Ton, Video und Musik von U. Forster)
…sind Sie neugierig geworden, möchten bei der Entwicklung einer allgemeinen ILIAS-App zur Lernortnutzung mitwirken oder haben Fragen zum Einsatz der Lernorte an der Universität Hohenheim? Bitte melden Sie sich gerne bei mir unter ulrich.forster(at)uni-hohenheim.de.
 
Weitere Informationen:
https://studium-3-0.uni-hohenheim.de/mobile-lehre
 
Kontakt:
 
Ulrich Forster
Universität Hohenheim
Kommunikations-, Informations- und Medienzentrum (630)
Abt. Kommunikation, E-Learning u. Print
Schloss-Westhof-Süd, Zimmer 24/223 | 70599 Stuttgart
Tel.: +49 711 459-23028 | Fax: +49 711 459-2349
ulrich.forster(at)uni-hohenheim.de

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