• Open Source e-Learning
Kruse, Fabian [Fabian] - 25. Oct 2016, 10:40

Content Sharing mit dem ECS

Hochschulübergreifende Kooperationen erfreuen sich wachsender Beliebtheit - und stellen IT-Verantwortliche immer wieder vor besondere Herausforderungen: Kursmaterialien aus dem heimischen LMS wollen ausgetauscht und den Nutzerinnen und Nutzern verschiedener Institutionen zur Verfügung gestellt werden. Dabei soll der Aufwand möglichst gering bleiben. Und im Idealfall sollten die Lehrenden selbst entscheiden können, wann sie welche Inhalte mit Gasthörern und Besucherinnen anderer Hochschulen teilen möchten. Eine einfache Lösung für diese Anforderungen bietet schon seit vielen Jahren der E-Learning Community Server (ECS). Grund genug, diese bewährte Plattform wieder einmal in unserem Blog zu würdigen.

Egal, ob es sich um Materialien zur Prüfungsvorbereitung handelt oder um aufwändig gestaltete Kursinhalte, guter Content will geteilt werden. Besonders wichtig ist dies bei Studienangeboten, die sich im Rahmen hochschulübergreifender Kooperationen an Teilnehmende mehrerer Hochschulen richten. In der Praxis treten dabei leider einige Probleme auf: Entweder müssen die geteilten Inhalte aufwändig an allen Institutionen aktualisiert werden, sobald sie Änderungen erfahren. Oder die IT-Abteilung muss eine Vielzahl an Gastzugängen bereitstellen, um die Besucherinnen und Besucher anderer Hochschulen im eigenen LMS mit den Angeboten zu versorgen.

Beide Probleme können mit Hilfe des ECS leicht gelöst werden. Inhalte werden dann immer nur an einer Stelle angeboten - und müssen daher auch nur dort gepflegt werden. Trotzdem benötigen Studierende anderer Hochschulen keine händisch erstellten Accounts im LMS der anbietenden Hochschule. Stattdessen vermittelt der ECS: Die anbietende Hochschule verschickt darüber Informationen zu ihren freigegebenen Inhalten. Ihre Titel erscheinen dann im heimischen LMS der Gast-Studierenden, von wo aus sie per Klick aufgerufen werden können. Dabei unterstützt der ECS die Autorisierung im LMS der anbietenden Hochschule, in dem die Inhalte anschließend angezeigt werden.

“Der ECS ist eine leichtgewichtige Middleware, die mittels einer Webservice-Schnittstelle (REST) die ILIAS-Systeme verschiedener Universitäten verbindet“, wie David Boehringer von der Uni Stuttgart erklärt. Dort wurde der ECS im Rahmen des Projekts CampusConnect konzeptioniert und implementiert. „Im Gegensatz zu anderen Middlewarelösungen lässt sich der ECS sehr einfach in bestehende Infrastrukturen integrieren, ohne dass sich Administratoren in neue, häufig komplexe Systeme einarbeiten müssen.“

Ist eine Freigabe aktiviert, erscheint der Kurs als „ECS-Kurs“ (welcher im Grunde nur ein Kurs-Link ist) in der entsprechenden Kategorie im LMS der anderen Hochschulen. Klickt eine Benutzerin darauf, wird sie über den ECS an der Uni angemeldet, welche die Inhalte bereitstellt. Anschließend muss sie einmalig der Benutzerordnung zustimmen und kann dem Kurs dann ganz normal beitreten. Eventuell vorhandene Zugangsbeschränkungen (z.B. über ein Kurspasswort) werden dabei natürlich berücksichtigt.
Ein ECS - viele Nutzerinnen und Nutzer
Einen selbständigen ECS aufzusetzen erfordert neben entsprechendem technischem Wissen auch die Einrichtung einer eigenen Certificate Authority (CA). Diese gibt digitale Zertifikate für die sichere Kommunikation zwischen den Servern heraus. Schneller geht es, wenn man sich einem vorhandenen ECS anschließt. Ein zentraler ECS wird von der Universität Stuttgart betrieben und kann auch von anderen Hochschulen und Verbünden genutzt werden. Dazu werden innerhalb des ECS verschiedene Gruppen aufgesetzt. Mitglieder dieser sogenannten „Communities“ erhalten die Möglichkeit, Kurse für andere Mitglieder freizugeben. Die entsprechende Einstellung wird nach der einmaligen Aktivierung selbständig durch die Lehrenden für ihre Kurse getroffen.

Dank der Unabhängigkeit der Communities ist es problemlos möglich, mit einem einzigen ECS die verschiedensten Gruppen und Hochschulverbünde zu versorgen. Dabei hat jedes Mitglied immer nur Zugriff auf freigegebene Materialien innerhalb der eigenen Community. Was in den anderen Communities passiert, bleibt unsichtbar. Es ist allerdings durchaus möglich, Mitglied mehrerer Communities zu sein, falls eine Institution beispielsweise Content mit zwei verschiedenen Gruppen teilen möchte.

Und was ist, wenn einige der Partner-Hochschulen nicht auf ILIAS setzen? Auch dafür bietet der ECS eine Lösung: So ist es möglich, auch Moodle und Stud.IP einzubinden. Diese Möglichkeiten haben Kristina Haase und Anja Schulz von der Uni Halle überzeugt. Im sachsen-anhaltischen Hochschulverbund (Verbundprojekt HET LSA) und an der Uni Leipzig haben sie daher die Einrichtung eines ECS angeregt und umgesetzt. Ihr wichtigstes Ziel: eine nachhaltige Qualitätsverbesserung der Lehre durch eine stärkere Kooperation zwischen den Hochschulen. Im Projekt verfolgt jede der beteiligten Institutionen einen eigenen Schwerpunkt, von MINT über Internationalisierung bis hin zu allgemeiner Hochschuldidaktik und multimedialem Lehren und Lernen. Die darin erstellten Inhalte werden miteinander geteilt und gemeinsam weiterentwickelt - unabhängig vom verwendeten LMS.
Weitere Informationen
David Boehringer von der Uni Stuttgart ist Ansprechpartner für interessierte Hochschulen, die den ECS gerne einsetzen würden: david.boehringer@tik.uni-stuttgart.de

Institutionelle Mitglieder des ILIAS-Vereins können zudem ohne Mehrkosten den Vereins-ECS nutzen. Ansprechpartner hierfür ist Matthias Kunkel: kunkel@ilias.de

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